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125 Jahre: Telefon in Bethel

125 Jahre Telefon
„Die Fräulein vom Amt“ beim Stöpseln
der Vermittlung im Pförtnerhäuschen
am Betheleck, wo sich seit 1909 die
Telefonzentrale von Bethel befand
(Foto von 1930/31).

Am 1. Oktober 1886 wurden in Bielefeld und Gadderbaum die ersten 65 Telefon-Nummern in Betrieb genommen. Das Bielefelder Tageblatt von 30.09.1886 nannte Anschlussnummern für heute noch bekannte Namen aus der Bielefelder Stadtgeschichte: Bansi, Delius, Dürkopp, Gundlach, Kisker, Möller, Windel, verschiedene Hotels, Spinnereien und Bleichen, die Waschanstalt, den Schlachthof, den Magistrat der Stadt Bielefeld sowie die Handelskammer, die den Anschluss mit der Nummer 1 führte.

Im Adressbuch Bielefeld von 1890 findet sich die Abbildung eines Fernsprechers mit der Nummer 74 unter folgendem Eintrag: „Anstalt, Bethel und Sarepta, Gadderbaum B 2“. Unter derselben Adresse wurde auch „Friedrich v. Bodelschwingh, Pastor und Vorsteher der Anstalten Bethel, Sarepta und Arbeiterheim“ geführt, so dass davon auszugehen ist, dass der erste Fernsprechapparat im Büro des damaligen Anstaltsleiters stand.

Schon bald setzte sich das neue Instrument in Bethel durch. Die Betriebe und Hausleitungen wollten an der neuen Technik teilhaben und meldeten ihren Bedarf an. 1889 wurde „die Genehmigung der Reichs-Telegraphenverwaltung zum Betriebe einer Privat-Telegraphenanlage zwischen der Anstalt Bethel zu Bielefeld und der Arbeiter-Colonie Wilhelmsdorf (heute Eckardtsheim in Bielefeld-Sennestadt) ertheilt“.

125 Jahre Telefon
Auf dem Dach des Gebäudes hinter
dem Pförtnerhäuschen in Bethel
sind das Dachgestänge (links) und
der Abspannturm (rechts) für
Fernmeldeleitungen deutlich zu
erkennen. (Postkarte um 1920)
(Quellen: Hauptarchiv der
v. Bodelschwinghschen Stiftungen
Bethel)

1890 wurde der Fernsprechanschluss mit der Amtsleitung Nummer 74 in Bethel zum Anstaltstelefon, einem internen eigenen Netz, ausgebaut. Die Kostenvoranschläge über „eine Telephon-Anlage der Anstalt Betel zu Gadderbaum“ und „der Anstalt Betel und Wilhelmsdorf“ nannten die technischen Apparate und Vorrichtungen. Damit waren die Grundvoraussetzungen für das Bethel-Telefon geschaffen.

1895 wurde die „Verlegung der Sprechstelle Nr. 74 in das neue "Waarenhaus“, das neu gebaute Kaufhaus Ophir veranlasst, wo zukünftig auch die Anstaltspost und das Telefonamt zu finden waren. Von dort wurden das gesamte interne Anstaltstelefonnetz und die sogenannte Amtsleitung zum Fernsprechamt in Bielefeld vermittelt.
 
Als 1909 das Pförtnerhäuschen am Betheleck gebaut wurde, bediente der zuständige Diakon dort auch die Telefonvermittlung zusammen mit dem Auskunftsdienst weiter, zuerst im Stehen an einem Klappschrank. Später setzte sich die Handvermittlung mit Telefonistinnen im Sitzen durch. Die helleren Frauenstimmen waren bei den damals störanfälligen Leitungen besser zu verstehen als die tieferen Männerstimmen. Außerdem versprach sich „der Anstaltsvorstand in Bethel von der Bedienung durch junge Mädchen eine schnellere Vermittlung“: Auch in Bethel gab es „das Fräulein vom Amt“!

Die Installation der Fernmeldeleitungen erfolgte ausschließlich oberirdisch mit Isolatoren – wegen des Schutzes vor Blitzeinschlag – auf Dachgestängen und Abspanntürmen. Die Leitungen wurden auf Pfählen oder Stangen über Land verlegt. Auch damals verlangten die Eigentümer der Grundstücke, über die eine solche Leitung geführt wurde, eine Miete oder Pacht als Entschädigung. Störungen des Fernsprechbetriebs wurden durch entsprechende Abstände der verschiedenen Leitungen vermieden, wie ein Schreiben von 1890 zeigt: Darin wird der Vorstand Bethels aufgefordert, „die Privatleitung nach Wilhelmsdorf derart . . . verlegen zu lassen, daß der Abstand der Privatleitung von der Reichsleitung mindestens 1 Meter beträgt und Störungen für den Reichs-Telegraphenbetrieb nicht zu befürchten sind“.

Die offizielle Bezeichnung „Fernsprecher“ wurde erst 1980 durch den inzwischen gebräuchlicheren, moderneren Begriff „Telefon“ abgelöst.

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