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175. Geburtstag Ida von Bodelschwingh

Ida von Bodelschwingh
Ida von Bodelschwingh
mit ihrem Sohn Ernst,
1863. - Hauptarchiv der
v. Bodelschwinghschen
Stiftungen Bethel

Ihr Vater war Carl von Bodelschwingh, der spätere preußische Finanzminister; ihre Mutter Elise, geborene von Bodelschwingh-Plettenberg. Ida kannte Friedrich von Bodelschwingh schon seit ihrer frühesten Kindheit, denn die beiden waren Cousine und Cousin. Im Oktober 1860 verlobten sie sich, am 18. April 1861 fand die Hochzeit statt.
 
Für drei Jahre wurde nun Paris ihr Zuhause. Friedrich von Bodelschwingh war dort Pfarrer der deutschen Gemeinde. Hier kam auch der erste Sohn zur Welt. Doch Idas Heimweh nach Deutschland wurde immer stärker, so dass sich Friedrich von Bodelschwingh für eine Pfarrstelle in Dellwig bei Unna entschied. In dem beschaulichen Dellwiger Pfarrhaus, nur zehn Kilometer vom Wohnort ihrer Eltern entfernt, fühlte sich Ida von Bodelschwingh ausgesprochen wohl. Bis das Paar im Januar 1869 eine private Tragödie erlebte: Eine Epidemie grassierte. Innerhalb von 14 Tagen starben alle vier Kinder an Keuchhusten und Lungenentzündung. Umso schwerer fiel es Ida von Bodelschwingh wenige Jahre später nach Bethel zu gehen und die Gräber ihrer Kinder in Dellwig zurückzulassen.

Ida von Bodelschwingh
Ida von Bodelschwingh
um 1869. - Hauptarchiv
der v. Bodelschwinghschen
Stiftungen Bethel

Doch im Januar 1872 siedelten Friedrich und Ida von Bodelschwingh – mittlerweile wieder Eltern eines Sohnes – nach Bielefeld um. Im darauffolgenden Jahr konnte das Paar mit dem vierjährigen Wilhelm und dem knapp einjährigen Gustav ein neu erbautes Pfarrhaus beziehen. Dort kam auch die Tochter Frieda und schließlich der jüngste Sohn Friedrich auf die Welt, der später Leiter Bethels werden sollte.

Zwanzig Jahre lebte Ida von Bodelschwingh in einer gigantisch wachsenden diakonischen Einrichtung. Eine Herausforderung auch an sie, als Ehefrau des Anstaltsleiters. Ida von Bodelschwingh machte Krankenbesuche, sortierte und bearbeitete die Post und verfasste selbstständig die Dankesbriefe für die eingegangenen Spenden. Während der Abwesenheit ihres Mannes, der sich häufig auf Reisen befand, organisierte sie die Predigtdienste, ordnete seine Post nach Wichtigkeit und hielt ihn brieflich über den Werdegang verschiedener Patientinnen und Patienten auf dem Laufenden. Auch bei seinen zahlreichen Veröffentlichungen assistierte sie ihrem Mann, der bei der Fülle seiner Aufgaben auf ihre Mitarbeit dringend angewiesen war.

Ida von Bodelschwingh
Ida von Bodelschwingh
in ihren letzten Lebens-
jahren. - Hauptarchiv der
v. Bodelschwinghschen
Stiftungen Bethel

Die hohe Arbeitsbelastung forderte mit den Jahren ihren Tribut. Phasenweise litt Ida von Bodelschwingh – wie bereits in ihrer Jugend und nach der Geburt ihres ersten Sohnes – unter Depressionen. Sie fühlte sich oft einsam und vermisste ein geordnetes Familienleben mit ihrem Mann. In einem Brief vom Oktober 1885 führt sie ihm vor Augen, wie wenig er sich um seine Familie kümmert: „Bei uns ists Sonntags meist so: zuerst Frühstück und Morgenandacht ohne den Papa – er kam den ganzen Sonnabend ja nicht zum Studieren; wenn keine Hauptpredigt, dann dringende Briefe zu erledigen – verspätetes eiligstes Mittagessen, wo man zu müde ist mit den Seinen zu sprechen – 10 Minuten Schlaf, im Trabe in die Brüderstunde! im Stürmen 1 Schluck Kaffee – Schwesterntag, Conferenz, Besuche und dergleichen – Abendpredigt, dringende andere Sachen zu erledigen – Frau und Kinder sind und bleiben allein.“

1894 verschlimmerte sich ihr Leiden erheblich, so dass sie im Herbst in das Lindenhaus nach Lemgo gebracht werden musste, einer Heil- und Pflegeanstalt für psychisch Kranke. Dort starb sie am 5. Dezember 1894 im Alter von 59 Jahren.

Literatur:
Claudia Puschmann/ Kerstin Stockhecke, Ida von Bodelschwingh (1835 - 1894)
Ein Lebensbild (Geschichte in Bethel, Band 3), Bielefeld 2007.

Dr. Claudia Puschmann

Kerstin Stockhecke

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