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Der ungedrehte Bodelschwinghfilm 1953 bis 1958

Der ungedrehte Bodelschwinghfilm

Werner Hess ergreift erneut die Gelegenheit beim Schopf und beginnt mit den Vorbereitungen. Niemand anders als der in den 50er Jahren populäre Wiener Burgschauspieler Walther Reyer soll die Rolle Bodelschwinghs übernehmen. Die Schauspielerin Antje Weißgerber ist für Ida von Bodelschwingh vorgesehen. Als Regisseur wird Dr. Harald Braun verpflichtet. Doch die Fronten verhärten sich und können nicht gegensätzlicher sein: Bethel drängt auf einen historisch versierten Dokumentarfilm, Werner Hess möchte einen Kinoschlager produzieren.

Ende Dezember 1954 ist das Drehbuch fertig – viele andere werden folgen. Mehr als fünf Autoren sind immer wieder damit beschäftigt. Nahezu jede geplante Szene wird erbittert von Bethel infrage gestellt, Geldgeber und beteiligte Firmen wechseln mehrfach. Immer wieder fragt Bethel: Welche Rolle hat die Filmarbeit in der Kirche? Gibt es für einen christlichen Film einen Platz in der Filmindustrie? Wird sich ein Spielfilm überhaupt positiv auf die Außenwahrnehmung Bethels auswirken?

Anfang des Jahres 1956, entfernt vom Schauplatz der unfreiwilligen Kooperationspartner, nimmt Friedrich von Bodelschwingh auf einer dreimonatigen Amerikareise die Gelegenheit wahr, in Hollywood und in New York Filmschaffende zu treffen. Insbesondere von Mitwirkenden des erfolgreichen Luther-Films bekommt er vollste Zustimmung für seine Position. Mit dieser prominenten Rückversicherung im Gepäck ist sein Urteil eindeutig: Das ganze Projekt soll abgesagt werden.

Doch während dieser Zeit war auch Werner Hess nicht untätig: Mittlerweile ist die Finanzierung sichergestellt und bindende Verträge sind abgeschlossen. Niedergeschlagen erfolgt der verzweifelte Vorschlag Bethels, die Filmfigur doch einfach vom historischen Bodelschwingh zu lösen.

Der ungedrehte Bodelschwinghfilm
Foto: © v. Bodelschwinghsche
Stiftungen Bethel - Hauptarchiv

Auch nach weiteren Drehbuchänderungen gibt es keine Einigung. Mittlerweile droht die Filmseite damit, im Fall einer endgültigen Ablehnung Bethels, mit der unerfreulichen Vorgeschichte an die Medien zu gehen. Beide Parteien stehen sich unversöhnlich gegenüber. Da greift Bethel auf Beziehungen zurück. Mehrere leitende Persönlichkeiten innerhalb der Kirche werden gebeten, Werner Hess von dem Filmplan abzubringen.

Aus damaliger Sicht mit Erfolg: Im Mai 1958 findet sich in den Akten im Hauptarchiv Bethel der Vermerk, dass die Verhandlungen zwischen den Filmleuten und Bethel abgerissen sind.
Aus heutiger Sicht schade: Ein Bodelschwingh-Film aus der Perspektive der 50er Jahre wäre ein spannendes Zeitzeugnis.

Helene Born

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