Hauptarchiv Bethel

„Wasser marsch!“

„Wasser marsch!“

Noch zehn Jahre nach Gründung der Betheler Feuerwehr musste Hauptmann Nispel seinen Mitstreitern eine ordentlich Strafpredigt halten: „Die Dicziplin ist ja sehr mangelhaft, es muß ein Jeder sich bestreben, flink und pünktlich auszuführen, was commandirt wird, es wird aber öfter das Gegenteil gemacht … Disciplin ist: wenn Jeder ordentlich aufpaßt, strenge Haltung zeigt und sich nicht wie Wachlappen bewegt.“

Mit dem Aufbau eines eigenen Feuerschutzes befand sich Bethel ganz im Trend der Zeit. In den größeren Städten führte die zunehmende Urbanisierung zur Einrichtung von Feuerwehren. In der „Anstalt für Epileptische“, im Jahr 1867 mit 25 Plätzen gegründet, lief es ähnlich: Die Einrichtung wurde größer und entwickelte sich immer mehr zu einem selbstständigen Gemeinwesen mit Pflegehäusern, Handwerksbetrieben, Wohnhäusern für die Mitarbeiter und landwirtschaftlichen Betrieben. So kam die Idee zur Gründung einer eigenen Feuerwehr vom Vorstand der Anstalt Bethel selbst. Im Herbst 1878 wies er auf das Problem hin: „Es liegt auf der Hand, in welche Gefahr wir bei unseren, mit so vielen Kranken, Siechen und Krüppeln gefüllten Häusern, beim Ausbruch eines Brandes gerathen würden.“
 
Nachdem die Geburtsstunde der Betheler Feuerwehr am 17. Februar 1880 geschlagen hatte, konnte am 27. Februar die ersten „Statuten der Freiwilligen Anstalts-Feuerwehr“ den Vorstand passieren, und im April erschienen die Feuerwehrmänner erstmals in frisch erworbenen Uniformen zu ihrer Sitzung.

Bei der Kooperation mit der kommunalen Gemeinde Gadderbaum, zu der die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel ja auch heute noch gehören, hielt man sich allerdings etwas bedeckt, weil „solche Gemeinsamkeit möglicherweise allerlei Schwierigkeiten bringen kann“.

Um die Gemeinde nicht ganz aus ihrer Verantwortung für den Brandschutz zu entlassen, kam es zu einer nahezu modern anmutenden Form der Zusammenarbeit: Die Anstalt Bethel stellte der Gemeinde Gadderbaum ein Grundstück zur Verfügung. Die Gemeinde erbaute ein Spritzenhaus und übertrug es der Anstalt Bethel zum Selbstkostenpreis. Die kommunale freiwillige Feuerwehr zog wiederum als Mieterin in das selbst erbaute Spritzenhaus.

Solche schwierigen Gebilde gehören heute allerdings der Vergangenheit an. Im Jahr 2005, zum 125. Geburtstag der Betheler Feuerwehr, wurden die Löschabteilungen Bethel und Gadderbaum zusammengelegt und bezogen gemeinsam ein neues Gerätehaus am Quellenhofweg.

Kerstin Stockhecke

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