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Wie der Name „Bethel“ entstand

Wie der Name „Bethel“ entstand
© Hauptarchiv der
v. Bodelschwinghschen
Anstalten Bethel

Seit Gründung im Jahr 1867 war der Name für die noch kleine Einrichtung ziemlich sperrig. Meist sprach man von „Rheinisch-Westfälischer Anstalt für Epileptische bei Bielefeld“. Sie bestand in den ersten Jahren aus einem kleinen Bauernhaus für 25 Bewohner; ein weiteres Haus für rund 100 Männer und Frauen war im Bau. Beim Einzug in diesen Neubau kam erstmals der Name „Bethel“ ins Spiel.

Der damalige Hausvater, Johannes Unsöld, bezog am 31. Mai 1873 mit einer Gruppe epilepsiekranker Jungen das neue Anstaltsgebäude. Auch wenn es noch nicht ganz fertig war, sollte der Tag feierlich begangen werden. Seine Andacht hielt der 30-jährige Lehrer zur Jakobsgeschichte 1. Mose 35 und hier vor allem zum Vers 3: „Lasset uns auf sein und gen Bethel ziehen“. Mit diesen Bibelworten verknüpfte er einen Wunsch: Das neue Haus möge ein rechtes Bethel werden – ein „Haus Gottes“, wie Bethel aus dem Hebräischen übersetzt, heißt. Was danach passiert sein soll, ist lediglich als Erinnerung überliefert. 60 Jahre später schilderte der betagte Johannes Unsöld die Situation so: Nach der Andacht „trat Vater v. Bodelschwingh an mich heran u. sagte leise zu mir: Ich wünsche, daß unsere Anstalt den Namen Bethel bekommt.“

Der Verwaltungsrat erteilte diesem Wunsch jedoch eine Abfuhr. Das Gremium, bestehend aus 22 Herren, beschloss in seiner Sitzung am 12. September 1873, „daß der Anstalt ein besonderer Name nicht zu geben sei, daß es vielmehr bei der Bezeichnung Epileptischen-Anstalt sein Bewenden behalten solle.“

Aber der damalige Anstaltsleiter Friedrich von Bodelschwingh d.Ä. gab nicht auf. Ein paar Mal berichtete er im „Westfälischen Hausfreund“, einem von ihm selbst herausgegebenen Sonntagsblatt, über das neu gebaute Anstaltshaus. Ganz subtil führte er dabei den favorisierten Namen ein. So ließ er etwa im Dezember 1873 in einem Artikel über das neue Haus ganz nebenbei einfließen, dass es „hier oben der Kürze halber gern ‚Bethel’“ genannt wird.

Immerhin hatte der Verwaltungsrat bereits vier Jahre vorher selbst eine Namenänderung angestoßen. Bei den Planungen für den Neubau wurde der „Wunsch ausgesprochen, bei der Grundsteinlegung den Namen der Anstalt kürzer zu fassen.“ An Ideen mangelte es nicht: „Tabor, Anstalt für Fallsüchtige, Ravensberger Asyl, Pflegehaus zum alten Berge bei Bielefeld, Langenwende etc.“, lautete es im Protokollbuch vom 23. November 1869. Warum die Namensgebung nicht weiter verfolgt wurde, lässt sich heute nicht mehr klären. Erst im November 1874 war es dann so weit.

In einem regelmäßig erscheinenden Werbeblättchen wurde der neue Name im Januar 1875 wohl erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. „Bethel (Westfälisch-Rheinische Anstalt für Epileptische bei Bielefeld)“, lautete die Überschrift. Und bevor es um den Fortgang der Arbeit und die Bitte um Spenden ging, erläuterte Friedrich von Bodelschwingh: „Bethel ist der neue Name für Rheinland und Westfalen seit nunmehr 7 Jahren wohlbekannte und mit vieler Liebe getragene Anstalt für Epileptische bei Bielefeld.“ Ein Name, der für ihn „wie kaum ein anderes Wort, Zweck und Art unseres Werkes ausdrückt“.

Kerstin Stockhecke

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