Hebron

Hebron um 1930.

Im Jahr 1928 wurde das Haus Hebron errichtet. Es war ein Ersatz für ein gleichnamiges Haus in der Ortschaft Bethel. Hebron bot etwa 70 Plätze für Männer, die schwer an Epilepsie erkrankt waren und dazu noch als „unruhig“ und „schwierig“ galten. Aus diesem Grund entstand das Haus auch am Rand von Eckardtsheim.

Das Haus war nach den modernsten Standards der 1920er Jahre konzipiert. Obwohl Bethel immer auf die Offenheit seiner Häuser Wert legte, war Hebron von Anfang an als halbgeschlossenes Haus geplant. Nach und nach entwickelte es sich zu einer geschlossenen Einrichtung, weil überwiegend Patienten im Langzeitbereich eingewiesen wurden, die in anderen Häusern als untragbar galten. Auch als pädagogisches Druckmittel wurde Hebron eingesetzt. Wer in Bethel auffiel, dem wurde zunächst mit Eckardtsheim und dann mit Hebron gedroht, beziehungsweise der wurde nach Hebron verlegt. 

Viele Probleme des Alltags resultierten aus der beengten räumlichen Situation und der stetigen personellen Unterbesetzung. Seit Mitte der 1950er Jahre war Hebron mit mehr als 100 Männern vollkommen überbelegt. Der Personalbedarf konnte seit Anfang der 1960er Jahre kaum noch aus der Diakonengemeinschaft Nazareth gedeckt werden. Außerdem fehlte es an speziell geschulten Mitarbeitern für neue Therapie- und Behandlungsformen. Aber Hebron wurde auch zu dem Ort, von dem aus der Reformdruck auf die Anstalten wuchs. Neue Mitarbeiter kritisierten die autoritären Leitungsstrukturen und den tradierten Umgangsstil. Damit erreichten sie auch die jungen Diakonenschüler und Diakone in den anderen Einrichtungen. 

So kam seit Anfang der 1970er Jahre ein langwieriger Prozess von Umstrukturierung und Professionalisierung ins Rollen. Gleichzeitig eröffnete die Sozialgesetzgebung neue bauliche und therapeutische Möglichkeiten. Partnerschaftlich-demokratische Leitungsstrukturen wurden eingeführt, die Platzzahlen reduziert, Drei- bis Einbettzimmer eingerichtet. Eine Werkstatt, eine Kaffeestube und eine Wohngruppe entstanden. Möglichst viele Bewohner sollten in einen Lebenszusammenhang außerhalb der stationären Unterbringung integriert werden.

Doch seit Anfang der 1990er Jahre stand fest: Das veraltete Gebäude mit seiner isolierten Lage passte nicht mehr zu der neuen konzeptionellen Ausrichtung Eckardtsheims. Im Februar 1997 wurde Hebron geschlossen. 

Das Haus und die Werkstatt wurden 1999 an einen Bauträger aus Bielefeld verkauft. Hier entstanden Einfamilienhäuser, Reiheneigenheime und Eigentumswohnungen.