Friedrichshütte

Zimmer in der Trinkerheilstätte Friedrichshütte um 1910.

Unter dem Namen Friedrichshütte entstand hier im Jahr 1888 die erste Trinkerheilstätte der Anstalt Bethel. Der Bauernhof hieß ursprünglich Siggemannshof und wurde so eingerichtet, dass alkoholkranke Männer zur Behandlung aufgenommen werden konnten. 

Die Motivation für die Einrichtung von Trinkerheilstätten kam aus den Erfahrungen mit den Wanderern in der Arbeiterkolonie Wilhelmsdorf. Unter ihnen befanden sich nach damaligen Schätzungen rund 75 bis 80 Prozent Alkoholkranke. Sie sollten eine spezifische und längere Betreuung erhalten. Als Behandlungsmethode setzte man auf die christliche Hausordnung, die regelmäßige körperliche Arbeit in der Landwirtschaft sowie auf eine „einfache reizlose Nahrung“ und „völlige, lebenslängliche Enthaltsamkeit von geistigen Getränken.“ Der Aufenthalt sollte möglichst auf ein Jahr angelegt werden, „da ein kurzer Aufenthalt nach unseren Erfahrungen wirkungslos bleibt“, so ein Informationsheft aus der Zeit um 1900.
 

Im Ersten Weltkrieg war Friedrichshütte eine Lazarettabteilung. Die Arbeit mit alkoholkranken Männern wurde nach dem Krieg nicht weiterbetrieben. Männer mit einer geistigen Behinderung zogen in das Haus ein. 1945 wurde hier ein Altenheim für evakuierte Frauen aus Bremen eingerichtet. Auch in der Nachkriegszeit blieb Friedrichshütte ein Altenheim für Frauen, vor allem für Flüchtlinge und Vertriebene. 1951 entstand in einem Nebengebäude wieder eine Abteilung für Männer mit geistigen Behinderungen. 1957 siedelten die restlichen noch verbliebenen Frauen in das neu erbaute Altenheim Sonneck über.

Nach einem Umbau im Jahr 1984/85 kehrte das Haus sozusagen zu seinem Ursprung zurück: Hier wurden Wohngruppen für alkoholabhängige Frauen und Männer eingerichtet. Ende der 1990er Jahre ging die Nachfrage nach diesen Therapieplätzen zurück. Das Haus wurde im Jahr 2000 verkauft.
Heute ist der Gebäudekomplex verkauft; hier befinden sich Wohnungen.